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Vorurteile bilden einen gefährlicher Nährboden für unsoziale Verhaltensweisen. In Moschee DE wird ein solcher Fall bühnentauglich aufgerollt.
Als im Jahr 2006 in Berlin eine Moschee gebaut werden sollte, reagierten viele Bürger entsetzt und wollten mit Aktionen gegen den Bau vorgehen. Filmemacher Robert Thalheim und der Autor Kolja Mensing haben aus Interviews mit einigen dieser Menschen eine szenische Rekonstruktion entwickelt.
Fünf Charaktere debattieren in einer Sporthalle das Für und Wider der Moscheebaus. Der Zuschauer wird zum unmittelbaren Zeugen und erhält Einblicke in die erschreckend unzivilisierten Gedankengänge einzelner Menschen. Dabei werden die Aussagen weder kommentiert noch gewertet. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Mensch zu einem gefährlichen Rudeltier wird, wenn er nicht weiß, wie er mit unbekannten Artgenossen umzugehen hat.
Informationen des Veranstalters
Eine szenische Rekonstruktion von Robert Thalheim und Kolja MensingAm Rand von Berlin bricht ein erbitterter Streit aus. Eine muslimische Gemeinde will auf einem brach liegenden Grundstück zwischen Autobahnauffahrt, Einfamilienhaussiedlung und Fast-Food-Restaurant eine Moschee errichten. Aufgebrachte Anwohner schließen sich in einer Bürgerinitiative zusammen, Lokalpolitiker und Neonazis demonstrieren Hand in Hand gegen den geplanten Bau. Schließlich werden Brandsätze gelegt. "Moschee DE" nimmt diesen realen Fall zum Anlass für eine Forschungsreise in den deutschen Alltag. Welche Geschichten ereignen sich im Schatten der Moschee - zwischen den Regalen eines Supermarkts, auf dem Parkplatz des Drive-Inns oder in der Parallelgesellschaft einer Einfamilienhaussiedlung?
Robert Thalheim (geboren 1974 in Berlin) ist Theaterregisseur und Filmemacher. In seinem 2007 in Cannes aufgeführten Spielfilm »Am Ende kommen Touristen« beschäftigte er sich mit den Erfahrungen eines Zivildienstleistenden in der Gedenkstätte Auschwitz.
Regie: Robert Thalheim
Bühne: Michal Galinski
"Wohl jeder in der Cumberlandschen Bühne des hannoverschen Schauspielhauses spürt, dass hier nicht bloß dokumentarisch ein Berliner Konflikt nachgestellt wird, sondern dass dieses Thema seine Aktualität behält. So wird man zur Meinungsbildung und Stellungnahme herausgefordert - und darf dabei seine eigenen Vorurteile und Ängste entdecken und befragen. Die Moschee in Berlin ist übrigens längst eingeweiht - ein so ansehnliches Gebäude, dass die umliegenden Schuppen und Imbißbuden demgegenüber erbärmlich erscheinen. Die Inszenierung unterstreicht einen Grundzug im Spielplan des Intendanten Lars-Ole Walburg: Sie ist ein Plädoyer, dass sich das Theater den sozialen, politischen und kulturellen Konflikten der Gegenwart zu öffnen habe." (NDR 1)
"Hinter hochkochenden politischen Diskussionen stecken manchmal banalere Motive, als vorgegeben wird. Dies zu zeigen, ist die Stärke des Stücks." (3sat)
PRINZ Festivalguide 2012
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