Die Wahlkölnerin Alice Rose veröffentlicht im Juni ihr drittes Album. PRINZ traf sich auf einen grünen Tee mit der avantgardistischen Elektro-Pop-Sängerin im Kintaro und sprach mit ihr über Fernweh, Köln und Mora.
Robert Enneper
Alice Rose' drittes Album "Mora with the Golden Gun", 2007 in Dänemark veröffentlicht, erscheint bei uns im Juni.
Mit Glitzersporttasche von American Apparel, einem Rollerhelm in der Hand und nur leicht geschminkt betritt Alice Rose das japanische Restaurant. Sie lächelt herzlich, nimmt Platz und schaut in die Speisekarte. "Hoffentlich gibt es was mit Avocado", sagt die Dänin, und bestellt die Sushi- Lunchbox, dazu die California Rolls. Zehn Jahre reiste Alice Rose um die Welt, um dann in Köln Halt zu machen. Mitte der Neunziger Jahre ist sie von Kopenhagen aus mit einer experimentellen Theatergruppe rumgejettet. Die Musikhochschule in Dänemark schmiss sie hin, weil sie nicht in der Lage war, sich anzupassen: "Ich bin halt stachelig." Schon mit acht Jahren las Alice Rose täglich Zeitung. Irgendwann stolperte sie über das Wort Kosmopolit und dessen Definition. "Ich schaute meine Eltern an und sagte zu ihnen: Das will ich werden", erinnert die Sängerin sich. Sie landete für ein halbes Jahr in Berlin, besuchte dann die Schauspielschule in Prag. Die Performerin wurde schwanger und blieb fünf Jahre in Tschechien. Auch beim experimentellen Theater befasste Alice Rose sich durchgängig mit Musik. Weil der Vater ihrer Tochter in der Nähe von Köln lebte, zog sie Ende 2000 an den Rhein: "Damals dachte ich, Köln sei ein Loch in der Erde."
Noch in der ersten Woche ging Alice Rose auf ein Konzert ins Artheater. Dort lernte sie den Techno-DJ und Produzenten Gabriel Ananda kennen, mit dem sie bis heute zusammenarbeitet. Es sind solche Zufälle, die den Sushi-Fan an Köln banden. In der gleichen Woche spazierte sie mit ihrem damaligen Freund an der Kunsthochschule für Medien vorbei und dachte: "Das wäre was für mich." Dort studierte sie Medienkunst und drehte während des Studiums nur Musikvideos. Für ihre Diplomarbeit "21 days" komponierte Rose jeden Tag einen Song und malte eine Illustration. Im Juni erscheint ihr selbst arrangiertes und geschriebenes drittes Elektro-Pop-Album "Mora with the Golden Gun" auf ihrem eigenen Label. Mora ist eines der vielen Alter Egos der Sängerin: "Die Figur der Mora gibt es schon seit zehn Jahren. In Tschechien war auf einer Gasherd-Broschüre eine blonde Frau, die sich die Haare kämmte. Über ihr stand Mora 371." Alice Rose sponn eine Biografie um diese Frau und machte aus Mora eine Geheimagentin in den siebziger Jahren mit "Kick-Ass-Attitude". Zurzeit schreibt Rose an ihrem vierten Album "Daydreamer" , das nicht mehr so abstrakt und avantgardistisch klingen, sondern mehr Singer/- Songwriter-Elemente beinhalten soll, erzählt sie stolz und schnappt sich professionell mit ihren Stäbchen die California Roll - mit Avocado.
Enrico Ippolito ist freier Autor bei PRINZ Köln und konnte um 13 Uhr noch keinen Fisch essen. Mit Alice Rose war er trotzdem Mittagessen im: Kintaro, Friesenstr. 16, Altstadt-Nord, Tel. 13 52 55,Mo u. Fr, 18.30-23, Di-Sa 12-14 u. 18.30-23 Uhr, kintaro.de
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